Der DAV-NRW freut sich, Kooperationspartner der von Prof.'in Christina Laabs (Mozarteum Salzburg) produzierten Textperformance "Hoc est vivere!" zu sein.

Die Premiere hat im Kontext der Verleihung des Internationalen Karlspreises am 21.05.2025 in Aachen stattgefunden, das für seine - nicht nur römische - Bäderkultur weltberühmt ist.

Das Kaiser-Karls-Gymnasium berichtete.

Lassen Sie sich auf einen Nachmittag in einem römischen Bad ein - mit von Schülerinnen zum Leben erweckten Texten Cicero, Ovid, Seneca, Sulpicia und Vergil.

Weitere Aufführungen sind im September - auch im Kontext unserer DAV-NRW-Landestagung - geplant.

Herzliche Einladung!

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Dr. Jochen Sauer von der Universität Bielefeld hat am Freitag, dem 24. Januar 2025, am Neuen Gymnasium Bochum einen Vortrag über Ciceros Ideen zum „gerechten Krieg“ gehalten. Das leider sehr aktuelle Thema lockte zahlreiche Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrkräften in die Aula. Jochen Sauer stellte zunächst repräsentative Textstellen aus Ciceros De officiis vor. Natürlich ist der Frieden immer vorzuziehen, aber es gibt Gründe, weswegen Kriege geführt werden müssen. Cicero definiert zwei Arten, Existenzkriege und Kriege um die Vorherrschaft. Er muss außerdem gerecht begonnen werden (Androhung und Erklärung durch ein unabhängiges Gremium), die Verhältnismäßigkeit muss gewahrt werden und es muss Exitstrategien geben. Dahinter steht natürlich Ciceros Vorstellung vom officium als das, was zur Vernunftnatur des Menschen passt. Cicero fordert als politischer Aristoteliker die Betätigung im Staat und Bürgertugenden. Der gegenwärtige Neorepublikanismus mit seiner Tugendorientierung und Zivilcourage bezieht sich direkt auf Cicero. Mit dem Publikum wurde weniger diskutiert, dass Cicero ausdrücklich Präventivkriege bejaht, sondern eher, ob die heutigen und zurückliegenden Kriege nach ihm gerecht genannt werden dürfen. Auch wurde noch einmal hervorgehoben, wie wichtig für die Demokratie Institutionen, Freiheit und Bürgertugenden sind. Insgesamt war es eine sehr erfolgreiche Veranstaltung, die sinnbildlich für Demokratieerziehung stehen kann.

 


Im Dezember werden die Tage kürzer und die schulischen Verpflichtungen wie Klausuren, Tage der offenen Tür usw. zahlreicher. Die Hebräischlehrerinnen und -lehrer aus NRW durften sich am Nikolaustag allerdings über ein besonderes Geschenk freuen: die Gelegenheit zu einem intensiven fachlichen Austausch. Denn am 06.12.2024 fand dank der Gastfreundschaft von Dr. Alexander B. Ernst in der gewohnten Umgebung der Kirchlichen Hochschule Wuppertal die alljährliche Fortbildungstagung der Bezirksregierung Köln statt.

Da der Theologe und Archäologe Prof. Dr. Vieweger sein Kommen leider absagen musste, widmete sich die Veranstaltung stattdessen den biblischen Elia-Erzählungen und damit der Abiturfokussierung 2026, durch die der Hebräisch-Fachberater Christian Fabritz in Vertretung von LRSD Dr. Achim Beyer souverän leitete. Mit dem Propheten Elia hatte sich zuletzt 2015 eine entsprechende Fortbildung beschäftigt.

Am Vormittag übersetzten und didaktisierten die 15 anwesenden Kolleginnen und Kollegen in Kleingruppen die Erzählung von Ahab, Isebel und Nabots Weinberg (1 Kön 21,1–29). Anschließend erarbeitete Herr Fabritz gemeinsam mit dem Plenum einen Interpretationsansatz, bei dem die Personenkonstellation der einzelnen Szenen im Mittelpunkt stand. Der Schwerpunkt des Nachmittags lag auf der reichhaltigen Rezeption der biblischen Figur Elia, vor allem im Oratorium Elias von Mendelssohn Bartholdy. Ergänzt wurde dieser Input durch einen Literaturbericht über aktuelle Veröffentlichungen aus Forschung, Didaktik und Rezeptionsgeschichte in Zusammenhang mit den Elia-Erzählungen sowie Beiträgen aus dem Plenum zur Elia-Rezeption in der bildenden Kunst.

Wie gewohnt wurde die Fortbildungstagung mit einem Austausch über die Situation des Faches beschlossen: Dazu gehörten diesmal Angaben zu Schüler- und Prüflingszahlen, ein Rückblick auf das schriftliche Abitur 2024, der Launch einer Fachschafts-Cloud, Überlegungen zur einer Fachdidaktik des Hebräischunterrichts sowie der Erarbeitung eines Lehrbuchs.

In den beiden nächsten Jahren dürfen wir uns auf Veranstaltungen zu den Themen „Ikonographie“ mit Prof.'in Dr. Silvia Schroer sowie „Geschlecht/Gender in der hebräischen Bibel“ freuen.

(Johannes Maximilian Nießen)


Am 01.10.2022 fand von 09:00 bis 16:00 Uhr in Köln die Abschlusskonferenz zur Implementation von Eulalia – European Latin Linguistic Assessment statt. Bei diesem insgesamt auf drei Jahre angelegten Erasmus+-Projekt handelt es sich um eine Kooperation zwischen den Universitäten Köln, Mailand (Università Cattolica del Sacro Cuore), Bologna, Köln, Mailand, Rouen, Salamanca und Uppsala, das auch vom Bundes-DAV unterstützt wird; auch die Aristoteles-Universität Thessaloniki will sich dem Projekt noch anschließen. An der hybriden Tagung nahmen ca. 50 Personen in Präsenz teil: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der beteiligten Universitäten, Lehrerinnen und Lehrer sowie Studierende der Alten Sprachen.

Ziel dieses Projekts ist die Entwicklung eines europaweiten Zertifizierungsverfahrens für das Lateinische. Dazu gehören online im open access zugängliche Übungs- und Prüfungsmaterialien. Die Ermöglichung einer solchen Zertifizierung adressiert die rund 3 Millionen Lateinlernenden in der EU – auch und insbesondere Nicht-Muttersprachler:innen und Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Dazu kann die Aufgabenbearbeitung in der jeweiligen Muttersprache erfolgen und wurde die Website weitgehend barrierefrei gestaltet. Auffällig ist in diesem Zusammenhang die Begründung mit „transversal skills“, d. h. dem altbekannten Argument, dass Latein das logisch-analytische Denken und Erlernen anderer Sprachen fördere.

Im ersten Teil der Tagung wurde das Projekt ausführlich vorgestellt und diskutiert. Demnach sieht die Zertifizierung sieht derzeit drei Niveaustufen vor: Ein praeambulum, A1 und A2 sowie B1 und B2. Die letzte Stufe entspräche beim Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen – naturgemäß unter Aussparung der mündlichen Kommunikationskompetenz  – etwa dem Niveau C1 und läge damit nach Dafürhalten der Projektentwickler deutlich über Latinums-Niveau. Zusätzlich werden die Niveaustufen danach unterschieden, ob sie jemand mit oder ohne „translation skills“ erworben hat. Bei denjenigen Aufgabenformaten, die nicht auf das Übersetzen abzielen, stellt das Zertifizierungsverfahren „meaning at the centre“ und kommt mit dem Verdikt „No translation without comprehension“ dem nahe, was textlinguistisch und fachdidaktisch unter „Texterschließung“ firmiert. Notwendige Bedingung für die Übersetzungsaufgaben sei demnach ein globales Textverständnis.  Darüber hinaus gibt es z. T. „monolingual tasks“ lateinisch-lateinisch und sogar aktives Formenbilden, allerdings keine aktive lateinische Textproduktion. Beim Übersetzen werden „national teaching traditions“ berücksichtigt, zumal da die Übersetzung in die jeweilige Muttersprache erfolgt.

Das Projekt ist online erreichbar unter https://site.unibo.it/eulalia/en. Die Projektentwickler bitten um kritische Durchsicht und freuen sich über Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge.

Das übrige Programm der Tagung vertiefte einzelne, für die Eulalia-Arbeitsgruppe im Laufe der Projektentwicklung als besonders wesentlich erlebte Aspekte des vorgeschlagenen Zertifizierungsverfahrens: So hielt der DAV-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Stefan Freund einen Vortrag über das Spannungsfeld von Diversität und Identität als Interpretament. Prof. Dr. Peter Kuhlmann thematisierte Wortschatzlernen und Wortschatzerwerb im Lateinunterricht. Frau Professorin Dr. Gerd Haverling aus Uppsala verschaffte den Teilnehmenden einen vertieften, wenn auch zugegebenermaßen wenig optimistischen Einblick in die Rolle der Alten Sprachen in der schwedischen Schul- und Universitätslandschaft. Frieder Schumann vom Servicezentrum Inklusion der Universität zu Köln zeigte auch für den Lateinunterricht bestehende Herausforderungen im Kontext von Inklusion und einen kreativen, lösungsorientierten Umgang mit diesen auf. Während der gesamten Tagung hatten die Teilnehmenden zudem Gelegenheit, sich Posterpräsentationen zum schulischen und universitären Lateinunterricht in Frankreich, Spanien, Schweden und Italien sowie zu einem Forschungsprojekt zur Quantifizierung der Schwierigkeit lateinischer Originaltexte anzusehen und mit den jeweiligen Expert:innen ins vertiefte Gespräch zu kommen.

(für den DAV-NRW Johannes Maximilian Nießen)


Vom 23. bis 24.07.2022 fand unter der Ägide von Prof. Dr. Torsten Hitz (Heidelberg), Prof. Dr. Jörn Müller (Würzburg), Jun.-Prof. Dr. Tom Wellmann (Heidelberg) und Laura Summa (Bonn) die Tagung „Antike Philosophie, Bildung und das gute Leben“ zugleich als Gründungstreffen Arbeitsgruppe „Antike Philosophie, Pädagogik und Didaktik“ im Rahmen der Gesellschaft für antike Philosophie (GAnPh) statt.

Diese interdisziplinär ausgerichtete Tagung umfasste fünfzehn je dreißigminütige Vorträge mit anschließender Diskussion aus den Disziplinen Philosophie (Fachwissenschaft sowie Fachdidaktik), Klassische Philologie, Alte Geschichte sowie Erziehungswissenschaft.

Das Ziel der Tagung bestand darin, den oftmals bloß behaupteten Zusammenhang zwischen Philosophie, Bildung und gutem Leben aufzuarbeiten und zu durchdenken. Dazu wurde auf die antike Philosophie zurückgegriffen, die historisch der Ausgangspunkt und systematisch das Modell der philosophischen Theorien des guten Lebens ist. Anhand antiker Vorstellungen und Entwürfe wurde diskutiert, ob oder wie pädagogische und didaktische Thesen, z. B. über den Sinn und Zweck von Bildung und philosophischem Unterricht, auch heute durch Theorien des guten Lebens gestützt werden können.

Bei den von den Vortragenden zugrunde gelegten Texten wurde ein Schwerpunkt bei Aristoteles, Platon und Epikur deutlich, aber auch weniger prominente Autoren und Texte wie Isokrates, Sextus Empiricus' Grundriss der Pyrrhonischen Skepsis, die Fragmente der Stoiker Zenon, Chrysippos und Panaitios, Galens Trostschrift Peri Alypias oder Augustins Dialog De magistro wurden behandelt. Die Lebensform des Diogenes von Sinope wurde schließlich mithilfe der Überlieferung seines Namensvetters Diogenes Laertios rekonstruiert.

Ertragreich für den Unterricht in den Alten Sprachen wurde ausgehend von dem fachdidaktischen Vortrag von Jens Schäfer (Köln), der in Anschluss an eine vergleichbare Studie von Bernd Rolf eine Bestandsaufnahme zu antiken Texten in den derzeit auf dem Markt befindlichen Philosophie- bzw. Ethiklehrwerken lieferte, eine Diskussion darüber geführt, welche Gründe es für eine (breitere) Berücksichtigung von antiken Texten im Philosophie- bzw. Ethikunterricht gibt.

Zu den Höhepunkten der Tagung gehörten die Key Note Lectures von Prof. Dr. Kristján Kristjánsson (Birmingham/GB) zum Thema „Teaching phronêsis: New developments“ und Prof. Dr. Anselm W. Müller (Chicago/USA) zum Thema „Was ist so gut am guten Charakter?“ Der Erwähnung wert ist dabei der Umstand, dass Anselm Müller seinen Vortrag mit einer für den Altsprachlichen Unterricht wegweisenden Bemerkung über den Ertrag philosophischer Forschung zur Antike einleitete: „Der Forschungsertrag ist bei den Kollegen, die von der Philologie herkommen, am größten; das philosophisch Beste steht in den Artikeln, die einen philologischen Ausgangspunkt haben.“